Sharing Economy im Tourismus

Sharing Economy im Tourismus – ist wohl auch wieder so ein Trend, auf den momentan alle aufspringen oder? Wobei, es ist eher noch eine Nische in der Wirtschaft. Teilen und Dinge gemeinsam nutzen liegt (noch) nicht allen Menschen. Folglich ist das „Meins“ oftmals wesentlich stärker ausgeprägt als das „Unser“. Dieses Modell weist sehr viel Potenzial auf und kann deshalb einen entscheidenden Beitrag zu einem nachhaltigen Tourismus leisten. Bist du bereit zum Teilen? Dann ist dieser Artikel Balsam für deine Seele.

Für die Lesfaulen – hier die Quick Wins:

  • Sharing Economy ist nachhaltig, da weniger Ressourcen gebraucht werden, dein Geldböserl geschont wird und du neue Freunde gewinnen kannst.
  • Die zum Teil miserablen Arbeitsbedingungen der „Angestellten“ sowie die teilweise nicht vorhandene Steuermoral der Portale rückt Sharing Economy allerdings in ein negatives Licht.
  • Dennoch werden die sozialen Begegnungen ein wesentlicher Bestandteil von Urlaubserlebnissen – der „klassische“ Tourismus ist gefordert, dies umzusetzen.

Was versteht man unter Sharing Economy?

Sharing Economy wird auch als Shared Economy oder Share Economy bezeichnet. Übersetzen wir diesen Begriff ins Deutsche, erhalten wir „Wirtschaft des Teilens“. Dabei steht der gemeinschaftliche Konsum (collaborative consumption) im Mittelpunkt. Dementsprechend nutzen Privatpersonen wie auch Firmen Güter gemeinsam durch Teilen, Leihen, Mieten, Schenken oder die Vermittlung von Dienstleistungen. Hingegen waren die Ursprünge von Sharing Economy meist sozial motiviert und unentgeltlich. Jetzt treten immer mehr kommerzielle Dienstleister sowie Sharing Economy Plattformen in unseren Wahrnehmungsbereich.

Sharing Economy = Wirtschaft des Teilens

Grundsätzlich ist diese Form von Konsum alt bewährt. Bibliotheken, Genossenschaften, Autovermietungen oder Skiverleih bereichern schon lange unser Angebot. Neu ist allerdings die schnelle und vor allem unkomplizierte Anwendung diverserer Plattformen. Besser ausgedrückt, mit nur einem Klick am Smartphone kannst du z. B. eine Mitfahrgelegenheit buchen. Die technischen Möglichkeiten sowie die vereinfachten Zahlungsmöglichkeiten sind Treiber für die Sharing Economy.

Eine Sharing Economy Plattform ist eine Verleihplattform im Web oder als App. Daher können Leistungen und Güter kostenlos oder gegen Gebühr verliehen werden. Man unterscheidet zwischen nicht-kommerzieller Sharing Economy und kommerzieller Sharing Economy. Das Beste: Alle User können sowohl vermieten und verleihen als auch mieten und leihen.

Jüngere Menschen überzeugen sich von diesem Trend schneller als ältere. Zwei Gründe dafür sind die selbstverständliche Nutzung der Jugend von Smartphones und die Vorbehalte gegenüber Armut von älteren, wenn man etwas teilt.

Grafik: Entwicklung Sharing Economy - von sozial motiviert bis hin zur Kritik
Entwicklung Sharing Economy

Geschichte & Kritik der Sharing Economy

Die Wirtschaftskrise in den USA 2007 war der Grundstein für diese Dynamik im Teilen. Viele Menschen suchten nach einer zusätzlichen Einnahmequelle bzw. Sparmöglichkeiten. Die gemeinsame Nutzung von privaten Gütern wurde dadurch populär und ermöglichte einerseits mehr Einnahmen für Bereitsteller und weniger Ausgaben für die Nutzer.

Anfangs war die Sharing Economy hauptsächlich mit positiven Aspekten besetzt: Sozial und umweltschonend für einen nachhaltigeren Lebensstil. Heute kritisieren vor allem renommierte Unternehmen Sharing Economy. Oftmals wird dieser Begriff als Marketingtrick verwendet und die Angestellten arbeiten unter miesen Bedingungen. Ebenso unter Kritik stehen die nicht vorhandenen Auflagen, der schleißige Umgang mit Datenschutz, steuerrechtliche Probleme sowie Wohnungsverknappung und mehr Verkehrsaufkommen.

Bei ungerechten Arbeitsbedingungen und allen oben genannten negativen Punkten werden die Angebote meiner Meinung nach zurecht kritisiert. Ist das Geschäftsmodell einfach besser als bei herkömmlichen Unternehmen, finde ich, dass die neue Form des Wirtschaftens absolut eine Chance verdient hat und sich renommierte Unternehmen neuen Ideen öffnen müssen. Es besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf in Bezug auf Gesetze, Regelungen und Vorschriften seitens der Regierungen, damit beide Formen einen Platz in der Wirtschaft finden.

Warum Sharing Economy?

Konsumkritische Menschen und auch Personen, die keinen oder zu wenig Platz in ihrer Wohnung haben, befürworten und beschleunigen die Sharing Economy. Eigentum wird für sie zu Ballast, das heißt, zu Dingen, die den wertvollen Platz verstellen. Denk mal an deine Bohrmaschine. Wie viele Minuten pro Jahr ist sie im Einsatz? Und wie viel Stauraum braucht sie?

Ziele dieser Personen sind:

  • Der Ressourcenverbrauch soll gesenkt werden.
  • Die bestehenden Kapazitäten sollen besser ausgelastet werden.
  • Mehr Kontakte und besserer Zusammenhalt in der Gesellschaft.
Grafik: Ziele der Sharing Economy im Tourismus
Ziele der Sharing Economy

Welche Sharing Angebote gibt es?

Insofern kann alles, was in deiner Vorstellungskraft liegt, geteilt, verliehen, kurzfristig vermietet oder gemeinsam genutzt werden. Ich habe dir einige Sharing Economy Beispiele aufgelistet:

  • Autos (z. B. BlaBlaCar)
  • Private Parkplätze
  • E-Scooter (z. B. Tier)
  • Räder (z. B. Nextbike)
  • Gästezimmer & Ferienwohnungen (z. B. Airbnb)
  • Schlafmöglichkeiten (z. B. Couchsurfing)
  • Gärten & Parks (z. B. Mundraub oder anstiftung.de)
  • Lebensmittel (z. B. Foodsharing.de)
  • Spielzeug
  • Schmuck
  • Werkzeug
  • Haushalts- und Gartengeräte
  • Nachbarschaftshilfe (z. B. nebenan.de)
  • Kleidung (z. B. Vinted)
  • Büroräume (z. B. Co-Working Spaces)
  • Bücher (z. B. in Telefonzellen)
  • Abos (z. B. Audible, Netflix)
  • Crowdfunding
  • Informationen (z. B. Reiseberichte im Internet)
  • Reparaturcafés

„Sharing is caring.“

Positive Effekte

„Sharing is caring“ und das genießen die Nutzer der Plattformen. Folgende Vorteile hat die Sharing Economy:

  • Zugriff immer und überall: Die Plattformen sind sehr nutzerorientiert und benutzerfreundlich. Infolgedessen kannst due auf die Dienste jederzeit mit deinem Smartphone zugreifen.
  • Mehr Angebot und mehr Flexibilität
  • Günstigere Preise: Gebrauchte oder geliehene Gegenstände sind günstiger als neue Produkte.
  • Umweltschutz: Du sparst Ressourcen und es müssen daher weniger Waren hergestellt werden.
  • Weitere Einkommensquellen: Alle haben die Möglichkeit, sich mit Sharing Economy ein Zusatzeinkommen aufzubauen.
  • Neue Geschäftsmodelle entstehen: Wenn du ein neues Geschäftsmodell erfolgreich einführst, kannst du den Markt aufbrechen.
  • Kostensparen für Unternehmen: Klar. Die Technologie kostet auch jede Menge Geld, aber Unternehmen sparen sich z. B. die Kosten für die Nutzung von Geschäftsräumen.
  • Daten: Unternehmen personalisieren die Angebote durch die erhaltenen Daten.

Nachteile

Selbstverständlich bringt diese aufstrebende Wirtschaftsform auch Nachteile:

  • Deine Privatsphäre leidet: Je mehr du Preis gibst, umso durchsichtiger wirst du.
  • Fehlende Gewährleistung: Die Plattformen fungieren als Vermittler und garantieren nicht für die Qualität der angebotenen Güter bzw. Dienstleistungen.
  • Keine Dienstverhältnisse: Die Plattformen haben „keine“ Angestellten, d. h. die z. B. Vermieter sind selbstständig und unterliegen daher auch keiner Mindestlohnregelung und keinem Kündigungsschutz.
  • Sicherheit und Hygienestandards werden nicht kontrolliert.
  • Weniger Konsum: Bei neuen Produkten sinkt hingegen die Nachfrage. (Hm. Ist das wirklich schlecht?)
  • Eigentum behält den Wert.

Ist Sharing Economy nachhaltig?

Die Frage aller Fragen. Noch wissen wir es nicht. Nutzen Uber-Kunden anstatt von Bus und Bahn eine Uberfahrt? Haben sie kein Auto mehr? Fliegen Airbnb-Gäste öfter in den Urlaub, weil die Unterkunft billiger ist? Kaufen Konsumenten mehr, da sie sich Geld durch andere Sharing-Produkte erspart haben?

Grundsätzlich würde ich das mit einem klaren Ja beantworten, da sowohl ökonomische (Geld sparen), ökologische (Ressourcen sparen) und soziale Aspekte (Miteinander stärken) berücksichtigt werden.

Aber, wie du siehst, es hängt immer davon ab, warum Sharing Economy genutzt wird und wie sich das Verhalten der Menschen dadurch ändert.

Aussicht auf das Meer von einem Airbnb.
Aussicht vom Bett eines Airbnbs

Sharing Economy im Tourismus

Das bringt uns jetzt zum Tourismus. Wir wissen ja, dass Reisen immer wieder negativ behaftet sind, vor allem, was Umweltschutz, Klimawandel und soziale Ausbeutung betrifft. Wie wirkt sich die Sharing Economy im Tourismus aus? Und bringt sie den Tourismus sogar unter Druck?

Druck auf den Tourismus

Hoteliers und Tourismusverantwortliche in den Gemeinden begrüßen die Sharing Economy nicht überall freudig. Die rasanten „illegalen“ Zimmer- und Wohnungsvermietungen steigen rasch an. Aber mal ganz ehrlich: Wenn ein Vermieter eine Wohnung über z. B. Airbnb anbietet, muss er genauso Steuern zahlen, wie über z. B. booking.com. Daher verstehe ich den Unmut von den Hoteliers nicht ganz. Klar, wenn die Wohnungen schwarz vermietet werden und keine Steuern bezahlt werden, ist die Kritik gerechtfertigt.

Ich bin absolut für gerechte Arbeitsbedingungen und korrekte Steuerzahlungen. Jedoch sind innovative Konzepte und benutzerfreundliche Buchungsoberflächen die wahren Gründe, warum der heimische Tourismus unter Druck gerät. Hast du schon einmal versucht ein Taxi über das Smartphone zu buchen? Ich habe dann zwar das Smartphone benutzt, aber zum Telefonieren, da eine Online-Buchung fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Warst du schon einmal in einer Stadt, wo du der Landessprache nicht mächtig warst? Anrufen ist dann ein bisschen schwierig…

Ein weiteres zentrales Motiv der Sharing Economy Kunden im Tourismus ist, dass sie Wert auf die sozialen Aspekte des Reisens achten. In meiner Heimat begrüßt auch (meistens) jemand „Einheimischer“ die Gäste und verrät ihnen alles Wissenswerte der Unterkunft und gibt ihnen Tipps von der Umgebung. Der persönliche Kontakt wird hier groß geschrieben – auch in großen Hotels. Jedoch in manchen Städten oder anderen Ländern vermissen Gäste dies oftmals.

So wollen Airbnbler und Couchsurfer vor allem den interkulturellen Austausch erleben. Des Weiteren erhoffen sie sich Insidertipps von den Vermietern. Dabei gewinnt der direkte Austausch mit den Einheimischen sowie den Urlaubsort aus der Sicht der Bewohner kennen zu lernen, gegenüber unpersönlichem, standardisiertem Schnickschnack in so manchen Hotels (vgl. Kagermeier et al. (2015): Share Economy im Tourismus, in: TW.)

Das sind meiner Meinung nach die wahren Gründe warum, sich die Touristiker auf den Schlips getreten fühlen: Schnelle, userfreundliche Technik und soziale Aspekte der Sharing Economy im Tourismus. Lässt sich ändern oder?

Sharing Economy im Tourismus – ist das die Zukunft?

Sharing Economy Plattformen wachsen rasend schnell. Laut Statista sind mehr als die Hälfte der Österreicher davon überzeugt, dass sich diese vergrößern werden. Mit ihrer „Du“-Gemeinschaft heißen Sharing Economy Plattformen schnell alle willkommen. Die Einzigartigkeit der z. B. vermietenden Objekte schließt einen Preisvergleich nahezu aus. Zudem werden die sozialen Begegnungen Teil des Urlaubserlebnisses. Die hohe Individualität der Objekte und die individuellen Dienstleistungen können als Vorbild für die Hotellerie dienen.

Herkömmliche Anbieter können sich auf jeden Fall ein Scheibchen von den „neuen“ abschauen. Somit kann der Spirit der Sharing Economy auch Teil des herkömmlichen Tourismus werden. Dann haben sicherlich beide Modelle weiterhin Chancen sich auf den Märkten zu positionieren.

Fazit – Sharing Economy im Tourismus hat zwei Gesichter

Wie geht es dir jetzt mit den Begriffen „Meins“ und „Unser“? Sharing Economy im Tourismus hat Vor- und Nachteile. Wenn du es richtig machst, kannst du damit dein Geldbörserl schonen, die Umwelt entlasten und neue Freunde gewinnen.

Selbstverständlich sollten die manchmal widrigen Umstände der Angestellten sowie die zum Teil nicht vorhandene Steuermoral berücksichtigt werden. Genauso hat Sharing Economy Vorteile für die Anbieter (und dabei meine ich nicht nur die Sharing Economy Plattformen). Worauf wartest du noch? Probiere es gleich aus und verrate mir in den Kommentaren, was die Sharing Economy im Tourismus mit dir macht.

2 Gedanken zu „Sharing Economy im Tourismus“

    • Hi David,
      ich nutze gerne Airbnb. Ansonsten ist es bei uns am Land oftmal (noch) leichter, wenn man die Nachbarn oder die Familie direkt fragt und sich dann etwas ausleiht oder tauscht, da die Community auf den Plattformen zum Teil (noch) sehr klein ist.
      Wenn es ein Angebot für selbstfahrende Autos gibt, bin ich die erste, die das nutzen wird 🙂
      LG Barbara

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