Respekt vor Einheimischen – sie haben es verdient

Wie sieht für dich ein perfekter Urlaub aus? Triffst du dabei auch Einheimische oder verziehst du dich in deinem AI-Bunker? Wenn du Einheimischen beim Reisen begegnest (und glaub mir, das solltest du), verdienen sie es, respektvoll behandelt zu werden. Zeige Respekt vor Einheimischen, sie haben es sich verdient.

Reisende hinterlassen Spuren und auch du beeinflusst die Lebensbedingungen der Einheimischen sowie den Zustand von Kultur- und Naturattraktionen in deinem Zielland. Respekt vor Einheimischen ist für einen nachhaltigen Tourismus ein wesentlicher Bestandteil – egal, ob du der Salzburgerin im Dirndl oder der Inderin im Sari begegnest.

Was bedeutet Respekt?

Wikipedia definiert Respekt folgendermaßen: „Respekt ist eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber anderen Lebewesen (Respektpersonen) oder eine Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht, etwa vor einer Gottheit.“

Könnt‘ ich nicht besser formulieren. Respekt ist wichtig für das Miteinander und für das Zusammenleben einer Gesellschaft. Werden Menschen respektvoll behandelt, fühlen sie sich ernst genommen, nicht übergangen und gehört. Dies ist ein grundlegender Wert in einer funktionierenden gemeinsamen Gruppe. Erweise aber auch Respekt vor der Natur, vor Ressourcen und dem Eigentum anderer. Das Phänomen Respekt spielt auch für einen funktionierenden Tourismus eine entscheidende Rolle, denn in der Ferne wird darauf manchmal vergessen…

Zwei Inderinnen tanzen im Sari - Respekt vor Einheimischen
Inderinnen tanzen im Sari

Respekt vor Einheimischen – andere Länder andere Sitten

Deinen Urlaub verbringst du in ihrer Heimat. Genauso verbringen Gäste ihren Urlaub in deiner Heimat. Im Grunde gibt es genau dieselben Regeln zu beachten. Oftmals locken uns „exotische“ Länder und führen uns in Entwicklungsländer – wo natürlich die Gegebenheiten komplett anders als in Mitteleuropa sind. Für diese Länder ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren und somit können sie auch die Lebenssituation in ihren eigenen Ländern verbessern, denn es werden Arbeitsplätze in der Hotellerie und der Gastronomie geschaffen, das lokale Bauwesen und das Handwerk erleben einen Aufschwung und Souvenirs werden verkauft. Dennoch kann dieser für die Länder so wichtige Tourismus soziale Ungleichheiten verstärken, Umweltprobleme hervorrufen und lokale Kulturen überfordern.

Deine Einstellung gegenüber Neuem

Überprüfe vor deiner Reise deine Meinungen und Einstellungen, hinterfrage kritisch vermeintliche Klischees, Selbstverständlichkeiten und Vorurteile. Diese haben keinen Platz – weder zuhause noch im Urlaub. Beobachte und mach dir ein eigenes Bild vor Ort.

Packe Neugierde, Offenheit und Toleranz in dein Handgepäck. Dann ergibt sich der Respekt vor Einheimischen von allein. Ureinwohner und Exoten wirst du bei deiner Reise nicht finden. Es sind Menschen wie du und ich.

Sei offen, neugierig und tolerant. Lass Einstellungen wie „fremd ist schlecht“ oder „anders ist schlecht“ zuhause.

Zuhause lässt du Gedanken wie „fremd ist schlecht“ oder „anders ist schlecht“. Ebenso kannst du in den meisten fernen Ländern deine Pünktlichkeit und dein Gefühl für geplanten Zeiträume zur Seite schieben. Die Uhren ticken in den Gastländern meistens etwas anders und die Uhrzeit ist ein Richtwert – mehr oder weniger. Tausche die Pünktlichkeit am besten gegen Geduld. Aber auch das ist Teil ihrer – für dich fremder – Kultur. Dies gilt es anzunehmen und zu schätzen.

Kommunikation ist alles

Schon klar. Im tiefsten Afrika wirst du wahrscheinlich mit Deutsch und deinen Englischkenntnissen nicht weit kommen. Versuche dennoch immer freundlich, höflich und geduldig zu bleiben. Ein Lächeln verbindet auf der ganzen Welt. Um den Einheimischen Respekt zu zeigen, solltest du auf jeden Fall „Bitte“, „Danke“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ in der Landessprache lernen. Nicht in jedem Land sagt man ständig danke und oftmals sind auch bestimmte Gesten mit diesen Worten verbunden.

Je mehr du vor deiner Reise über das Zielland und die Einwohner weißt, desto leichter fällt es dir, die dort lebenden Menschen so zu schätzen, wie sie sind. Gute Reiseführer beschreiben Land und Leute, Kunst und Kultur, politische Lage und Umweltthemen genauso weisen sie auf mögliche Menschenrechtsverletzungen hin. Auch Romane, die in diesen Ländern spielen und ins Deutsche übersetzt wurden, geben einen schönen Einblick auf das „echte“ Leben vor Ort. Eine weitere großartige Quelle sind Gespräche mit Menschen, die entweder schon einmal im Zielland waren oder die von dort hergezogen sind.

Gastfreundschaft zeigt Respekt vor Einheimischen

In meiner bisherigen Laufbahn im Tourismus wurde mir immer wieder weiß gemacht, dass die Gastfreundschaft bei uns in den Salzburger Bergen am größten ist. Ich konnte und kann dem nur bedingt zustimmen, denn bis jetzt habe ich auf der ganzen Welt unbeschreibliche Gastfreundschaft erlebt. Unabhängig davon, ob ich die Gastgeber verstanden habe oder nicht.

Fakt ist, dass Gastfreundschaft nicht einseitig sein darf und auf gar keinen Fall sollen Urlauberinnen dies ausnutzen. Aber informiere dich vorab, ob und wenn ja welche Gastgeschenke erwünscht sind. Es gibt in vielen Ländern für uns großartig scheinende Geschenke, die im Zielland die Einheimischen aber beleidigen oder ihnen sogar Pech bringen.

Es gibt nichts Spannenderes, als in einem fremden Land von einer Familie zum Essen eingeladen zu werden. Familie wird in den meisten Fällen Großfamilie bedeuten. Also, so viele Verwandte haben wir gar nicht, wie in fernen Ländern zur Familie gehören… Auch beim Essen gibt es in jedem Land Spielregeln zu beachten, z. B. muss man in Indien im Chai einen Schluck in der Tasse lassen, ansonsten wird sie immer und immer wieder nachgefüllt. (Das wusste ich z. B. damals nicht und ich wollte wirklich keinen Chai mehr trinken *würg*).

In kleinen Hotels oder privaten Unterkünften ist die Gastfreundschaft normalerweise höher als in internationalen Hotelketten.

Diese Fettnäpfchen solltest du als Respekt vor den Einheimischen vermeiden – selbstverständlich sind diese nicht in allen Ländern gültig und es gibt noch viiiieeellle mehr:

  • Händeschütteln ist in vielen Ländern unüblich. Lerne die Grußformeln.
  • Die Stellung der Frau ist oftmals nicht mit Mitteleuropa vergleichbar. (Ich bin in Indien sogar auf wife umgestiegen, girlfriend war kein Grund mich in Ruhe zu lassen…)
  • In der Öffentlichkeit ist der Austausch von Zärtlichkeiten oft tabu.
  • Niesen und Naseputzen ist teilweise nicht gerne gesehen (unabhängig von Corona).
  • Die linke Hand gilt manchmal als unrein. Iss daher nur mit der rechten Hand.
  • Schuhe vor Heiligtümern und Privatwohnungen ausziehen.
  • Vermeide es die Fußsohlen an eine andere Person zu richten. Wenn du am Boden isst, sitze dich in den Schneidersitz.
  • Der Kopf von anderen Menschen, insbesondere Kindern, ist vor allem in Südostasien heilig. Berühre ihn nicht.

Trinkgeld bitte

Angestellte im Tourismus sind oftmals vom Trinkgeld abhängig – ohne können sie kaum überleben. Informiere dich vorher, wie viel Trinkgeld üblich ist. Dies variiert von Region zu Region. Bei guter Leistung kannst du dich gerne großzügig zeigen. Denn ganz ehrlich: Zwei Euro mehr oder weniger machen deinen Urlaub nicht aus oder? Dies kann aber für die Einheimischen eine große Summe sein. Übertrieben sollte allerdings beim Trinkgeld nicht werden, ansonsten machen sich die Einheimischen falsche Erwartungen.

Achtung: Es gibt einen Unterschied zwischen Trinkgeld und Bestechungsgeld. So ehrlich müssen wir Reisenden sein. Manchmal ist es eine einfache und schnelle Lösung. Aber bitte lass dich nicht darauf ein. Damit förderst du nämlich die Korruption und Betrug.

Grafik: Darstellung Auswirkungen Trinkgeld vs. Bestechungsgeld
Trinkgeld vs. Bestechungsgeld

Kleider machen Leute

Wir in Mitteleuropa sind sehr offen und liberal was Kleidung betrifft, dennoch ist es komisch, wenn z. B. jemand zu einer Hochzeit (die man bei uns meist in Dirndl und Lederhose feiert) mit Jeans auftaucht. Um den Respekt vor den Einheimischen zu bewahren, gibt es einige Vorschriften in fernen Ländern zu beachten:

  • Kleide dich dem Kulturkreis angepasst. Orientiere dich am besten an der Kleidung der Einheimischen.
  • Hotpants sowie enge Tops bei Damen und ärmellose Shirts sowie Shorts sind in vielen Ländern unüblich.
  • Besichtige Städte oder Heiligtümern nie in Bademode.
  • Provoziere nicht. Oben ohne ist sogar in den USA verboten.

Foto, Foto, Foto

Klar, bevor du einen kostbaren Stein in deine Tasche steckst, ist es besser ein Foto zu machen. Dies gilt immer für die Natur. Bei Menschen sieht dies allerdings anders aus. Menschen sind keine Objekte, daher ist der respektvolle Umgang beim Fotografieren von Einheimischen immer das A und O. Beachte folgende Aspekte beim Fotografieren:

  • Frage die Leute vorher. Mit Händen und Füße, nicken und lächeln, wenn du die Sprache nicht verstehst.
  • Fotografiere niemanden gegen seinen Willen.
  • Menschen sind nach einem Gespräch eher bereit sich fotografieren zu lassen.
  • Halte Versprechen und schicke gegebenfalls das versprochene Foto.
  • Halte dich zurück bei religiösen Zeremonien und in sakralen Bereichen.
  • Trinkgeld ist angemessen.
  • Überlege vor jedem Foto, ob du oder dein Kind auch so abgebildet werden möchtet.

Einkaufen & handeln

Souvenirs sind ausgezeichnete Urlaubserinnerungen. Diese sollen aber Made im Urlaubsland und auf keinen Fall Antiquitäten sein. Am Basar handeln gehört einfach dazu. Dennoch solltest du den Händlerinnen die Chance geben, ein Geschäft zu machen. Es geht dir nicht um jeden verdammten Cent.

Es geht beim Handeln am Markt nicht um jeden verdammten Cent.

Bettlern zuzusehen fällt schwer. Schau auch hier, was die Einheimischen machen. Meist erhalten Bettler vor Tempeln und Moscheen eine Kleinigkeit. Auf keinen Fall solltest du bettelnden Kindern Geld geben. Erfolgreiche Bettelkinder gehen nicht mehr in die Schule und liefern das Geld an organisierte Banden ab – den Kindern bleibt nichts und der Teufelskreis wird nicht durchbrochen.

Respektiere Religion

Rituale, Sitten und Gebräuche durch die Religion bestimmen auf der ganzen Welt den Alltag vieler Menschen. Auch bei uns, obwohl wir das nicht immer wahrnehmen. Unsere lieben Feiertage haben fast alle einen religiösen Hintergrund und für Reisende nach Österreich ist es nicht immer verständlich, wenn z. B. am Sonntag die Geschäfte geschlossen haben.

Religion ist ein sehr sensibles ebenso faszinierendes Thema. Beim Besuch von Tempeln, Kirchen oder Moscheen tauchst du ganz tief in die Religion des Ziellandes ein. Bei z. B. Prozessionen oder religiösen Festen sind die besten Plätze für die Gläubigen reserviert, für die Touristen reichen die „billigen“ Plätze vollkommen aus. Respekt gebührt auf jeden Fall auch den religiösen Monumenten und Statuen. Tue nichts, was die Einheimischen nicht auch tun.

Bereite dich auf die Frage nach deiner Religion vor. Es ist ganz schön peinlich, wenn dich jemand nach deinem Glauben fragt und du stotternd ein paar unverständliche Phrasen laberst.

Der Friedhof von San Pedro di Atacama - ein Ort um Respekt vor Einheimischen zu zeigen
Der Friedhof von San Pedro di Atacama – ein Ort um Respekt vor Einheimischen zu zeigen

Kein Respekt vor Einheimischen – wenn sich Urlauber daneben benehmen

Immer wieder kommt es bei Urlaubern zu peinlichen Vorfällen. Ein neuer Trend ist z. B. dass sich junge westliche Touristinnen nackt vor Sehenswürdigkeiten fotografieren lassen. Muss das sein? Teilweise sind diese Sehenswürdigkeiten Heiligtümer des Gastlandes. Womöglich ruhen ihre Seelen dort. In vielen Ländern ist es sogar verpönt, oben ohne am Strand zu liegen.

Für das beste Foto sind Reisende sogar bereit völlig taktlos in z. B. Gedenkstätten oder anderen Orten des Grauens sich selbst zu inszenieren. Dabei vergessen sie, was sie bei zahlreichen Menschen mit diesen Bildern auslösen.

Völlig daneben ist auch, wenn „Goodies“ von z. B. Statuen mitgenommen werden. Ich schreibe hier von Ohrläppchen oder so. Oder wenn du einer Skulptur ein High-Five gibst und dabei leider ein Finger abbricht.

Weitere Situationen, wo sich Urlauber daneben benehmen:

  • Liegen reservieren
  • Beim Buffet die Teller vollräumen
  • Lärmen
  • Rauschig durch die Städte dröhnen
  • Nicht adäquat gekleidet sein
  • Unnötig viel Wasser verbrauchen
  • Energiefresser ständig laufen lassen
  • Begpacker (Urlauber betteln, um sich die Reise zu finanzieren)
  • Angestellte wie Sklaven behandeln
  • Müll überall wegwerfen
  • Rohstoffe mit nachhause nehmen

Ich könnte diese Liste wohl noch ewig weiterführen. Es gibt leider zahlreiche Situationen, wo sich Urlauber daneben benehmen.

Fazit – Reise mit Respekt vor Einheimischen

Was machst du bei deiner nächsten Begegnung mit einer Inderin im Sari? Genau, du behandelst sie respektvoll. Sie und alle anderen haben es verdient. Informiere dich vor deiner Reise über die Gepflogenheiten in deinem Zielland und passe dich den Gegebenheiten an. Somit nimmst du am meisten für dich selbst mit und lernst am meisten für das Leben. Keine Sorge, zuhause kannst du wieder ganz „normal“ sein – was auch immer das bedeutet.

Fettnäpfchen warten überall auf dich. Versuche diese möglichst zu vermeiden und zähle zu den Urlaubern, die sich nicht daneben benehmen. Erzähl mir doch in den Kommentaren, welche unglaublichen Erlebnisse du bereits auf Reisen gemacht hast.

2 Gedanken zu „Respekt vor Einheimischen – sie haben es verdient“

  1. Was für ein wichtiger Beitrag in der heutigen Zeit der „Viel-Reiserei“. Danke für deine Übersicht über diese so wichtigen Aspekte des Reisens. Gerade außerhalb Europas habe ich auch schon einige kulturelle Erfahrungen machen dürfen und der Austausch – egal ob nur mit Händen und Füßen – ist dabei immer besonders wichtig. In welchem Land hast du „wenig Respekt“ durch Reisende erfahren? Viele Grüße, Stella

    Antworten
    • Liebe Stella,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Leider immer wieder einmal… Als letztes Beispiel war ich zwar nicht auf Reisen, aber bei uns zuhause auf einer Hochzeit. Fast alle waren im Dirndl und in Lederhose – so ist es bei uns Brauch. Nach der Kirche sind wir gemeinsam zum Restaurant marschiert. Es standen zahlreiche Gäste mit ihren Kameras da und fotografierten die Hochzeitsgäste. Eine Freundin fragte mich, ob wir alle Ausstellungsobjekte seien…
      Oftmals sind es „nur“ Kleinigkeiten, was aber die Einheimischen stört. Umgekehrt habe ich aber schon wirklich großartige Erfahrungen mit Einheimischen gemacht. Uns wurde zum Beispiel vor unserer Reise durch Südamerika gesagt, dass uns sowieso alles gestohlen werden wird. Im Gegenteil, meinem Freund ist das Handy aus der Hose gerutscht und ein Einheimischer ist ihm mit diesem nachgelaufen. Es kommt immer so zurück, wie man sich selbst verhält 🙂
      Lg Barbara

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