In the mood for food – regional Essen im Urlaub

Regional Essen im Urlaub hat nichts mit Schnitzel und Pommes zu tun. Außer du genießt deine Ferien in Österreich – dann ist es selbstverständlich erlaubt 😊. Lass dich an dieser Stelle kurz entführen. Schließe sanft deine Augen. Du sitzt in einem herzigen kleinen Café irgendwo in Peru. Die laue Meeresbrise verleiht dem Ambiente den letzten Schliff. Die feinen Düfte von rohem Fisch, frischer Limette, rotem Zwiebel und Knoblauch steigen dir in die Nase (Koriander lassen wir weg, der vermiest den Geruch 😉). Dazu reicht dir die Kellnerin einen bittersüßen Pisco Sour. Klingt besser als lauwarmer Einheitsfraß vom Buffet oder? Die Vorteile von regionalen Lebensmitteln sind nicht nur für dich interessant, sondern auch für die lokale Wirtschaft und die lokale Bevölkerung. Somit ist regional Essen im Urlaub eine Bereicherung für nachhaltigen Tourismus.

Warum du im Urlaub regional Essen solltest

Im Urlaub scheint bei vielen alles egal zu sein. Oftmals vergessen sie banale Dinge, die im „normalen“ Leben zuhause selbstverständlich sind. Anstatt regionale Lebensmittel zu konsumieren, bestehen viele auf importierte Produkte. Sie futtern sich durch das lauwarme Buffet und möchten auch in der Ferne Gewohntes speisen. Denen entgeht etwas, nicht wahr?

„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“

(François VI. Duc de La Rochefoucauld)

Dabei bedeutet regional Essen in allen Ländern andere Lebensmittel. Hast du schon einmal eine reife Mango gekostet? Zuhause schmeckt sie dann nicht mehr… Aber genau das ist ja das Schöne: In jedem Land kannst du andere Köstlichkeiten probieren. Abgesehen von deinem Geschmackserlebnis, gibt es zahlreiche weitere Vorteile, die regionales Essen im Urlaub mit sich bringen:

  • Lokale Betriebe werden von dir unterstützt.
  • Dadurch verbessert sich die Kaufkraft vor Ort.
  • In weiterer Folge förderst du die Biodiversität sowie nachhaltigen Ackerbau.
  • Du hältst deinen ökologischen Fußabdruck möglichst gering.
  • Lokale Märkte bleiben erhalten.
Regional Essen in Cusco
Regional Essen in Cusco

Wie du mit regional Essen lokale Betriebe unterstützen kannst

Überleg mal: Wie schaffst du mehr Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung – indem du importierte Produkte kaufst oder auf regionale Lebensmittel setzt? Genau. Je mehr regionale Lebensmittel verkauft werden, desto mehr Arbeit(splätze) gibt es in der Region. Oftmals werden lokale Erzeugnisse von kleinen Familienunternehmen produziert. Sie haben es aber schwer, sich gegen die global agierende Konkurrenz vor allem preislich durchzusetzen. Kaufst du regionale Speisen, unterstützt du die Landwirtschaft. Darüber hinaus ergeben sich neue Arbeitsplätze in der Verarbeitung sowie in der Verteilung regionaler Lebensmittel. Mehr Arbeitsplätze = mehr Einkommen für die Einheimischen.

Mehr Arbeitsplätze in der Region bedeutet mehr Einkommen für die Einheimischen.

In weiterer Folge bedeutet dies: Mehr Geld für die Einheimischen, das sie wiederum in der Region investieren. Es entsteht ein positiver Schneeballeffekt. Die gestärkte Wirtschaft ist der Motor für eine Region, für ein ganzes Land. Stabilität und Zukunftsaussichten sind wichtige Folgen dieser Effekte.

Biodiversität wird gefördert

Was machen lokale Produzenten, wenn alle Reisenden das gleiche Essen fordern? Richtig. Sie bauen die gewünschten Produkte an und verdrängen somit ihre heimischen Lebensmittel. Fruchtbare Böden werden durch enorme Monokulturen zerstört. Die Landwirte begeben sich in die zum Teil menschenunwürdige Abhängigkeit von Großkonzernen und bauen Lebensmittel an, die für ihre vorher ertragreichen Böden nicht geeignet sind. Die vorher vorhandene Artenvielfalt verschwindet schleichend. Klingt logisch, dass das nicht förderlich für die Biodiversität ist oder?

Zudem arbeiten sich die Bäuerinnen dadurch arm. Monokulturen auf diesen Böden bringen nicht die ersehnten Erträge, die Fruchtbarkeit der Ackerböden schwindet aufgrund der Ausbeutung. Die Mengen können nicht geliefert werden, die Konzerne zahlen weniger. Eine Negativspirale entsteht. Working poor…

Kräutertee irgendwo in Peru
Vorteil von regionalen Lebensmitteln: Du kriegst, was du brauchst, wie hier in dem Kräutertee irgendwo in Peru

Und wie ist das mit deinem ökologischen Fußabdruck?

Ganz vermeiden wirst du deinen ökologischen Fußabdruck sicher nicht können. Allerdings ist es schon mal ein guter Ansatz, diesen so klein wie möglich zu halten. Mit kürzeren Transportwegen der Lebensmittel im Urlaub kannst du einen wertvollen Beitrag dazu leisten. Zudem kommen lokale Erzeugnisse meist mit viel weniger Verpackung und Plastik aus. Regionale Lebensmittel weisen einen viel geringeren ökologischen Fußabdruck auf als solche, die um die halbe Welt gereist sind. Hier kannst du deinen ökologischen Fußabdruck berechnen.

Lokale Märkte bleiben erhalten

Gibt es etwas Schöneres, als auf Reisen durch einen regionalen Markt zu schlendern? Der Duft von frischen Kräutern, die farbenfrohe Vielfalt bei den Obstständen, das geschäftige Treiben der Marktstandlerinnen, die lustigen Versuche zu verhandeln. Lokale Erzeugnisse beleben jeden Markt. Produkte aus Monokulturen nehmen ihm den verführerischen Charme.

Übrigens treffen sich auf regionalen Märkten Nachbarn, Verwandte, Freunde und Bekannte. Sie sind ein wesentlicher Teil der Kultur, stärken das Miteinander der Einheimischen und fördern den Austausch mit den Reisenden.

Regionale und saisonale Lebensmittel

Dass regional Essen für Umwelt und lokale Wirtschaft besser ist, wissen wir jetzt. Außerdem sollen die Lebensmittel möglichst saisonal sein. Deine Geschmacksnerven werden es dir danken. Denn Obst und Gemüse reift vor Ort vollständig aus und muss nicht unreif – womöglich mit künstlich gesprühten z. B. Erdbeerduft – auf Reisen gehen. Die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe steigen vor allem mit dem Reifegrad. Das siehst du, wenn in warmen Ländern uns bekannte grüne Sorten oftmals orange bis rötlich sind. Hast du schon einmal in eine reife Banane gebissen? Wurde für dich schon einmal ein Piña Colada aus einer reifen Ananas zubereitet? Also, regional + saisonal = erste Wahl.

Regional + saisonal = erste Wahl

Spezialitäten sind Souvenirs

Beliebte Mitbringsel aus dem Urlaub sind Spezialitäten aus dem Reiseland. Zugegeben nicht nur für die Daheimgebliebenen 😉. So kannst auch du dein Urlaubsgefühl konservieren und in ein paar Wochen mit köstlichen Mahlzeiten wieder auftauen. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an sardinische feine Nudeln, an zartschmelzende Schweizer Schokolade oder an würzigscharfen Dijon-Senf denke. Am Tag vor der Abreise durch die Spezialitätenläden oder die Märkte zu schlendern… *Träum*.

Regionale Köstlichkeiten in Cusco genießen
Regionale Köstlichkeiten in Cusco genießen

Wer hat Angst vor regional Essen im Urlaub?

Ich höre schon die Verfechter tuscheln: „Aber die Speisen in anderen Ländern kann man doch nicht essen. Da krieg ich Durchfall.“ Jap. Kann passieren. Und nicht nur das. Es kann auch etwas Gutes haben. Seit jener Nacht irgendwo im Nirgendwo in Bolivien greif ich kein Hähnchen mehr an…

Klar. Eine gewisse Vorsicht sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Den Spruch „Cook it, peel it or forget it“ kennst du sicher oder? Da ist schon etwas Wahres dran. Besonders in der Hitze und bei hoher Luftfeuchtigkeit vermehren sich Keime und Bakterien ziemlich schnell. Und wenn du einmal Einblick in eine „Kühlkette“ bekommen hast, verstehst du auch warum auch vermeintlich „gekühlte“ Lebensmitteln verdorben sein können… Trinkwasser ist meistens mit besonderer Vorsicht zu genießen. Am besten du kaufst dieses in verschlossenen Flaschen (jaja, ich weiß, es geht nachhaltiger) und bestellst deine Getränke stets ohne Eis. Aufmerksam solltest du auch beobachten, wie lange z. B. der Obstsalat schon in der Wärme steht. Außerdem ist es besser, wenn du Fleisch und Fisch gut durchgebraten bestellst.

Dennoch haben die kleinen Standl mit schmackhaften Wassermelonen oder einem frisch gepressen Zuckerrübensaft am Wegesrand ihren Reiz. Ich habe immer und immer wieder die Erfahrung gemacht, je länger ich unterwegs bin, desto mehr probiere ich aus. War geschmacklich immer den konventionellen Lebensmitteln überlegen. Gesundheitlich bis auf diese eine Nacht in Bolivien kein (großes) Problem.

Am besten sind wir immer damit gefahren, wenn wir gegessen haben, was auch die Einheimischen essen. Ohne langes Zögern einfach „the same, please“ wie der Nachbartisch bestellen. Obwohl auch in diesem Fall die Einheimischen meist mehr vertragen als wir verwöhnten Mitteleuropäer. Aufpassen ja, übersensibel auf die kulinarischen Erlebnisse verzichten, würde ich nicht.

Regionale Lebensmittel in Peru
Vorteil von regionalen Lebensmitteln: Es schmeckt – wir haben selten so gut wie in Cusco gegessen.

Essen ist Urlaubsthema

Wie schön ist es, wenn die kulinarischen Erlebnisse zu Höhepunkten im Urlaub werden? Probierst du dich auch durch die heimischen Spezialitäten? Ich liebe es mich durch die lokalen Speisekarten zu kosten und auch mal die Katze im Sack zu bestellen. Muss man doch nicht immer wissen, was genau serviert wird. Ist doch spannend.

Heutzutage ist dies mit Google Translate und durchaus funktionierendem W-Lan meistens keine Kunst mehr, dass du zumindest weißt, ob Fleisch, Fisch oder Fenchel serviert wird. Wenn es nicht schmeckt, kannst du ja immer noch mit jemand anderen tauschen.

So gern ich koche, spielt hingegen auf Reisen die Essenssuche fast immer eine große Rolle. Mithilfe von Tripadvisor und den Bewertungen aus Google Maps machen wir uns auf die Suche und finden meistens kleine, feine einheimische Restaurants. Diese laden zum Probieren und Schlemmen ein. Auch bei den Restaurants gilt, dass Familienbetriebe gegenüber großen Konzernen im Sinne der Nachhaltigkeit vorzuziehen sind. Du verbesserst das Einkommen einheimischer Familien, schaffst Arbeitsplätze, hältst deinen ökologischen Fußabdruck schmal, gibst Biodiversität eine Chance und kommst mit „echten“ Einheimischen ins Gespräch. Und ganz ehrlich, Schnitzel mit Pommes kannst du dir in Österreich wieder bestellen. Dort passts.

Fazit – regionales Essen im Urlaub erhöht Nachhaltigkeit

Regional Essen im Urlaub verbessert alle drei Säulen der Nachhaltigkeit. Umwelt, Wirtschaft und der sozio-kulturelle Bereich einer Region werden dadurch gestärkt. Dazu kommt, dass deine Geschmacksknospen explodieren und du für dich vielleicht unbekannte Gaumenfreuden entdeckst. Von den beflügelnden Gesprächen mit den Einheimischen mal abgesehen. Die Vorteile von regionalen und saisonalen Lebensmitteln liegen klar auf der Hand. Oder wie siehst du das? Verrate es mir gerne in den Kommentaren.

4 Gedanken zu „In the mood for food – regional Essen im Urlaub“

  1. Liebe Barbara,
    ich esse total gerne regional, besonders im Urlaub. Klar ist es schön, mal „sicher“ ne Pizza zu essen, aber die lokale Küche ist eben doch immer besonders (und eine Pizza in Spanien ist übrigens nie „sicher“, sondern ein kulinarisches Risiko!). Ich war im letzten Jahr im Harz und durfte beispielsweise dort auch Produzenten kennenlernen – so toll, wie liebevoll eben gerade Regionalität gelebt wird!
    Liebe Grüße
    Caro

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