Klimaschutz und Tourismus – ist das möglich?

Klimaschutz und Tourismus klingt nach einem Widerspruch. Ist es in vielen Fällen (momentan) auch. Grundsätzlich steht der Tourismus in einem argen Zwiespalt: Er ist sowohl ein Teil der Verursacher als auch ein Nutznießer von intakter Natur. Damit dies auch so bleiben kann, sind Handlungen notwendig. Denn nur mit einer möglichst unbeschädigten ökologischen Basis kann nachhaltiger Tourismus funktionieren.

Klimawandel/Klimaschutz und Tourismus

Der Klimawandel zählt zu den größten Herausforderungen – auf der ganzen Welt und nicht nur für den Tourismus. Greta Thunberg sei Dank, dass sie diese Angelegenheit (wieder) in die Köpfe gebracht hat. Man kann von ihr halten was man will, aber sie ist sehr hartnäckig, absolut überzeugt und hat unzählige Befürworter an ihrer Seite. Und diese, meist jungen Leute, sind die nächste Generation der Reisenden. Deswegen werden sich wohl die meisten Anbieter etwas überlegen müssen, wie sie mit den Anforderungen dieser Generation im Tourismus umgehen werden. Es verzichten z. B. jetzt schon zahlreiche Jugendliche auf importierte Säfte zum Frühstück – sie kosten lieber etwas Heimisches.

Aufgrund der letzten turbulenten Jahre mit Covid-19 und dem Krieg in der Ukraine scheint dieses Thema Klimaschutz und Tourismus ein bisschen in den Hintergrund geraten zu sein. Doch es gibt immerhin einige vielversprechende Aktionspläne auf europäischer wie auch nationaler Ebene.

In z. B. Österreich sind die meisten Arten von Tourismus vom Klimawandel betroffen. Denke nur mal an einen Ski- oder Winterurlaub mit wenig Schnee, an einen Wanderurlaub in unerträglicher Hitze, an einen Badeurlaub mit verschwindenden Seen oder an einen Städtetrip mit unglaublicher Hitze. Am anderen Ende der Welt verschwinden Inseln oder Landesteile komplett, da sie unter dem Meeresspiegel versinken. Klar, das sind die schlimmsten Szenarien, die Klimawandel im Tourismus anstellen kann. Dennoch ist es jetzt allerhöchste Zeit zum Handeln, sich an das geänderte oder sich ändernde Reiseverhalten anzupassen und die Angebote umweltfreundlich(er) zu gestalten. Doch vorab klären wir noch, was Klimaschutz bedeutet.

Skifahren bei strahlend blauen Himmel
Ist Skifahren trotz Klimawandel in Zukunft noch möglich?

Was ist Klimaschutz?

Klimaschutz ist ein Teil von Umweltschutz, jedoch wird dabei ein besonderes Augenmerk auf die Erwärmung der Erdatmosphäre gelegt. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Klimaschutz wie folgt:

„Unter den Begriff des Klimaschutzes fallen Maßnahmen, die der Erderwärmung und einem damit verbundenen Klimawandel entgegenwirken. Man spricht von einer Zwei-Grad-Grenze, die nicht überschritten werden darf (etwa gemäß Pariser Klimaschutzabkommen). Vor allem geht es um die Reduktion von Kohlenstoffdioxid, das erheblich zur globalen Erwärmung beiträgt.“

Gabler Wirtschaftslexikon

CO2, Methan und Lachgas sind die Übeltäter. Diese werden nicht nur von der ach so bösen Industrie ausgeschieden, jeder kann diese im Alltag reduzieren. Also, mal mit dem Rad oder den Öffis fahren, bewusst einkaufen, nicht alles ausdrucken, Klimaanlagen nur verwenden, wenn es unbedingt notwendig ist, LED-Lampen verwenden und noch vviiiiieeeellllleeee andere Möglichkeiten. Bestimmt fallen dir gleich ein paar Dinge ein, die du jetzt umsetzen kannst.

Temperaturkurve in Deutschland
Temperaturkurve in Deutschland (Quelle: Wikipedia)

Klima schützen heißt aber auch Schutz der natürlichen CO2-Senken wie beispielsweise Regenwälder und Waldgebiete. Zum Gesamtpaket Klimaschutz gehören auch die Anpassungen an veränderte Bedingungen für Menschen und Umwelt. Das Ziel des Klimaschutzes ist es, die Erderwärmung einzubremsen, gegen die Folgen des Klimawandels vorzugehen und gegebenfalls rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Tourismus aus?

Der Tourismus spürt die Auswirkungen vom Klimawandel intensiv bzw. wird er sie noch zu spüren kommen. Folgende schaurige Szenarien könnten auf uns warten:

Negative Folgen für den Tourismus aufgrund von Klimawandel

  • Mehr Naturkatastrophen: Denken wir nur an die Überschwemmungen der letzten Jahre in Österreich und Deutschland oder die verheerenden Stürme in der Karibik. Je größer die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen ist, desto geringer ist die Lust, dieses Land zu besuchen.
  • Anstieg der Meeresspiegel: Zahlreiche Urlaubsdestinationen in der Karibik oder die Malediven liegen nur weniger als einen Meter oberhalb des Meeresspiegels. Der Anstieg von diesem würde viele Orte unbewohnbar und somit natürlich auch nicht bereisbar machen.
  • Korallensterben: Die Erwärmung und die Versauerung führt zu massiven Korallensterben.
  • Wärmere Winter: Schneereiche Winter nehmen voraussichtlich in tieferen Lagen ab. Infolgedessen verkürzt sich die Skisaison und die Besucher weichen auf höhere Wintersportgebiete aus oder Gletscher aus. Ohne technische Beschneiung ist Skisport kaum mehr möglich.
  • Moore und Feuchtgebiete trocknen aus.
  • Tiere und Pflanzen: Durch die steigenden Temperaturen wandern Tier- und Pflanzenarten in höhere Lagen oder polwärts – sofern dies für sie möglich ist. Die anderen sterben aus.
  • Mehr Waldbrände: Erhöhte Waldbrandgefahr ist in beispielsweise Südeuropa durch die extremen Temperaturen gegeben.
  • Waldsterben: Ebenso führen Dürren und Schädlinge zu großem Waldsterben.
  • Zu heiße Gebiete: Einige beliebte Urlaubsziele im Mittelmeerraum könnten zu heiß werden.
  • Ärmere Länder leiden: Die Einnahmequellen aus dem Tourismus können in ärmeren Ländern sinken. Reisende aus den kalten, reichen Ländern finden näher gelegene warme Länder und verzichten eher auf eine weite Anreise.
  • Wasserknappheit: Viele südliche Gebiete kämpfen schon heute mit zu wenig verfügbarem Wasser. Umso mehr könnte der Klimawandel diesen Effekt verstärken.
  • Niedrigwasserstände: Weniger Wasser in den Flüssen beeinträchtigt die Schifffahrt.
  • Klimawandel wirkt auf Gesundheit: Unterernährung oder Krankheiten, die über Wasser und Lebensmittel übertragen werden, nehmen demnach zu.
  • Klimawandel hat Konfliktpotenzial: Unsicherheiten und soziale Unruhen können aus klimabedingten Bedrohungen entstehen.

Jeder kann seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Positive Folgen für den Tourismus aufgrund von Klimawandel

Selbstverständlich hat jede Medaille zwei Seiten. Es gibt auch positive Seiten für den Tourismus – obwohl diese zumeist nur kurz- bis mittelfristig sind:

  • Neue Regionen erleben einen Aufschwung: Kältere Destinationen könnten beliebte Reiseziele werden. Dementsprechend könnten Nordeuropa, Skandinavien oder Alaska von steigenden Temperaturen profitieren.
  • Abschiedstourismus: Touristen möchten noch möglichst die „verschwindenden“ Reiseziele besuchen. Dazu zählen etwa Gletscher, die Antarktis, Korallenriffe oder niedrig gelegene Inseln.

Einen ausführlichen Bericht über die Auswirkungen von Klimawandel auf den Tourismus findest du hier.

Welche Möglichkeiten zur Anpassung gibt es?

Für Reiseveranstalter sind zahlreiche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel möglich. Reisen sind für sie „nur“ ein Produkt – egal, wo es hingeht. Für die Destinationen wird es schon schwieriger. Klimaschutz hilft dem Tourismus. Jedoch dauert es, bis die Ergebnisse wirken. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten den Tourismus an den Klimawandel anzupassen – wiederum sind die Maßnahmen nicht von ewiger Dauer:

  • Verlagern: Wie schon beschrieben, Reiseveranstalter bieten ganz einfach andere Ziele an. Anstatt von Mittelmeer steht dann Skandinavien im Angebot.
  • Technische Anpassung: Schneekanonen in Skigebieten, künstlich aufgeschüttete Strände oder Entsalzungsanlagen für Meerwasser sind einige Mittel, wie die Saison gerettet werden kann. Der finanzielle sowie der Energieaufwand sind dafür jedoch enorm. Wesentlich besser ist der Schutz von Ökosystemen, wie z. B. Korallenriffen oder Mongrovenwäldern.
  • Saisonale Anpassung: Die Badesaison verschiebt sich vom Hochsommer in die etwas kühleren Nebensaisonmonate.
  • Prävention: Vorbeugen ist auch für den Tourismus in Zeiten von Klimawandel besser als heilen. Hätte, täte, wäre… Es gibt genug Vorhersagen und Frühwarnsysteme. Es liegt an uns, diese zu nutzen und mögliche Fehlinvestitionen zu vermeiden sowie in Klimaschutz für den Tourismus zu investieren.

Leider werden die Folgen vom Klimawandel für den Tourismus trotz aller (Aus-)Wege nicht komplett ausgeglichen werden. Je stärker die Erderwärmung ist, desto größer sind die Auswirkungen. Es liegt also an uns. Wir gehen aber mal davon aus, dass Tourismus trotz Klimawandel möglich ist. Anders, aber möglich.

Küste in der Normandie
Küste in der Normandie – wird diese so bleiben?

Klimaschutz im Tourismus vs. Anpassungen

Stehen Klimaschutz im Tourismus und Anpassungen an den Klimawandel im Widerspruch? Jein. Es braucht beides: Aktiven Klimaschutz und Anpassungen an die bereits vorhandenen Auswirkungen des Klimawandels. Denn die Treibhausgase, die sich bereits in der Atmosphäre befinden, wirken noch Jahrzehnte.

Intakte Ökosysteme sind der Schlüssel zum Erfolg. Sie speichern große Menge an CO2 und besitzen darüber hinaus viele positive Effekte. Sie beeinflussen z. B. unsere Ernährung, Gesundheit, Wirtschat sowie das Wohlergehen.

In unseren Breitengraden sollen vor allem humusreiche Böden und Moore durch Konservierung, Wiedervernässung und nachhaltiger Nutzung geschützt werden. Hingegen zählt international der Schutz von Seegraswiesen, Mangrovenwäldern und küstennahen Feuchtgebieten zu den effektivsten natürlichen Maßnahmen für den Klimaschutz. Wusstest du, dass Moore nur etwa 3 % der Erdoberfläche bedecken, sie aber rund 30 % des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs speichern?

Wälder weisen eine hohe Bedeutung für den Klimaschutz auf. Sie speichern Kohlendioxid und erhöhen durch ihre biologische Vielfalt die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel.

Wir stehen wieder einmal in einer Zwickmühle. Beim Bau von z. B. erneuerbaren Energiesystemen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Ökosystem nicht verletzt wird. Die Experten müssen abwägen, welche Eingriffe zugunsten des Klimaschutzes akzeptabel sind. Vorausschauendes Planen ist erforderlich. Wechselwirkungen sind vorprogrammiert – d. h. der positive Effekt in einem Bereich kann zu unerwünschten Ergebnissen in anderen Bereichen führen. Doch welche Klimaschutzprojekte gibt es bereits?

Tourismus ist einerseits Nutznießer von intakter Natur, andererseits auch schuld am Klimawandel.

Bereits umgesetzte Klimaschutzprojekte

Die Ideen sind vielfältig und es wurden schon zahlreiche große und kleine Projekte umgesetzt. Gerne zeige ich dir hier ein paar Beispiele für Klimaschutz im Tourismus:

  • Barcelona pflanzt zahlreiche Bäume in der Stadt und verwaltet mittlerweile über 310.000 Bäume.
  • In Hamburg haben unzählige Häuser grüne Dächer.
  • In Lissabon wurde ein grüner Korridor geschaffen.
  • Helsinki setzt auf Wärmepumpen.
  • Es gibt energieautarke Hütten im SalzburgerLand.
  • Cooking Stove – CO2-effizientes Kochen in der Umgebung von Kisumu in Kenia.
  • Wasserkraftwerke in Brasilien

Wie du siehst, die Möglichkeiten sind grenzenlos. Es liegt an uns, ob wir solche Projekte unterstützen und auch im Urlaub auf Klimafreundlichkeit achten.

Klimafreundliches Reisen = Klimaschutz im Tourismus

Nein. Ich schreib hier sicher nicht, dass du nicht mehr reisen sollst. Ganz im Gegenteil. Ziel soll es sein, dass dies auch für unsere Kinder und Enkelkinder noch möglich ist. Klimafreundliches Reisen ist oftmals auch eine Bereicherung für die Reisenden. Denn wenn du etwas anders machst, sind neue Erfahrungen garantiert. Und Klimaschutz und Tourismus lässt sich leichter vereinen.

Jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung. Folgende Tipps können dir dabei helfen, den Klimawandel durch den Tourismus etwas zu verlangsamen:

  • Anreise möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Wenn möglich eine kurze Anreisestrecke.
  • Emissionen von Flügen kompensieren, z. B. bei Atmosfair oder MyClimate.
  • Vor Ort die Urlaubsdestination zu Fuß, mit dem Rad, hoch zu Ross oder mit den Öffis erkunden.
  • Nimm möglichst wenig Gepäck mit.
  • Car-Sharing-Angebote prüfen.
  • Konsumiere bewusst, dafür bei lokalen Anbietern.
  • Eine Unterkunft, die auf Energiesparmaßnahmen achtet, wählen.
  • Regionale Speisen probieren. Klar, bio, vegetarisch, vegan oder mit Ökosiegel ist noch mal eine Stufe höher.
  • Energie- und Wasser im Urlaubsort sparen.
  • Wähle deine Aktivitäten weise. Jeeptour oder zu Fuß?
  • Müll vermeiden. Nimm einfach deine wiederverwendbare Wasserflasche mit und füll diese auf.
  • Darüberhinaus achte auf umweltfreundlichen Insekten- und Sonnenschutz. Teilweise sind giftige Chemikalien in deiner Sonnencreme. Sie können etwa Korallen angreifen und zerstören.
  • Hast du schon einmal eine Einheimische darum gefragt, wie du vor Ort aktiv werden kannst? Vielleicht kannst du ein paar Stunden Müll sammeln oder für eine lokale Organisation eine Kleinigkeit spenden.

Auch hier gilt: Nicht nur rechnen, sondern handeln. Jeder. Jede. Immer. Auch zuhause. Denn viele kleine Schritte sind in Summe besser als eine perfekte Person. Und Klimaschutz ist nicht nur für den Tourismus wichtig.

Wanderin am Berg - so kann Klimaschutz im Tourismus funktionieren
Einfach im Urlaub auf zu Fuß unterwegsein umsteigen

Fazit – Klimawandel stellt Tourismus vor große Herausforderungen

Reisen ist ein Zwiespalt. Intakte Natur ist für einen funktionierenden Tourismus essenziell. Zeitgleich trägt er aber einen entscheidenden Faktor zum Klimawandel bei. Laut einer Umfrage ist für 70 % der Reisenden in Österreich der Klimaschutz sehr wichtig. Dennoch entscheidet sich nur ein Bruchteil für einen klimafreundlichen Urlaub. Dies können wir ändern. Bist du dabei?

6 Gedanken zu „Klimaschutz und Tourismus – ist das möglich?“

  1. Hi Barbara,
    ich liebe es zu Reisen. Und ich muss gestehen, dass ich auch für mein leben gerne um die Welt fliege. Ein bisschen besseres Gewissen bekomme ich durch die Kompensation von Emissionen bei den Flügen. Allerdings hoffe ich auch eine klimafreundlichere Technologie beim Fliegen in der Zukunft.
    Ich glaube einen absolut klimafreundlichen Urlaub wird es nicht geben, aber zumindest werde ich versuchen beim nächsten Urlaub ein paar deiner Tipps umsetzen :-).

    Viele Grüße

    Stephan

    Antworten
    • Lieber Stephan,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, ich bekenne mich auch schuldig – Reisen liebe ich auch :). Aber es geht darum, dass wir uns bewusst(er) werden, wie wir möglichst besser damit umgehen.
      Lg Barbara

      Antworten
  2. Hallo Barbara,

    ich bin heute etwas durch deinen Blog „gebrowsed“ und u.a. auch an diesem Artikel hängen geblieben. Danke für den Überblick und die Tipps, wie man selbst das Reisen klimafreundlicher gestalten kann. Ich bin überzeugt, dass Veränderung immer bei einem selbst anfangen. Nur wissen manche nicht wie. Mit diesem Blog stopfst du hoffentlich diese Wissenslücke und animierst andere zum mitmachen. Weiter so!

    LG Frank

    Antworten
  3. Hallo Barbara

    Danke für diesen umfassenden Bericht. Es ist eine absolute Gratwanderung und ein wichtiges Thema, da gebe ich dir absolut recht. Super, dass du das in deinem Blog thematisierst. Dein Internetauftritt gefällt mir übrigens sehr gut. Weiter so.

    Viele Grüsse
    Martin

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