Biodiversitätsverlust – Auswirkungen von Artensterben

Biodiversitätsverlust – denkst du da an Tiger und Eisbären? Was ist mit Asseln, Mikroorganismen und Brockenanemonen? Oder mit Mooren und Sumpfgebieten? Biodiversität beinhaltet so viel mehr als „nur“ die großen Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Und für einen nachhaltigen Tourismus ist eine großartige Biodiversität ein entscheidender Faktor – denn wie oft ist (eine intakte) Natur ein Kriterium für deine Wahl zur Urlaubsdestination?

Was bedeutet Biodiversitätsverlust?

Biodiversität oder biologische Vielfalt bedeutet die Verschiedenheit aller lebenden Organismen, also beschreibt es die Vielfalt des Lebens auf unseren Planeten sowie ihre Zusammenhänge. Die Lebensvielfalt beinhaltet dabei nicht nur die diversen Arten, sondern auch Ökosysteme und Landschaften (Quelle: Convention on Biological Diversity). Wissenschaftler unterscheiden drei Ebenen, die sämtliches Leben auf der Erde umfassen:

  • Die Verschiedenartigkeit innerhalb der Arten (genetische Ebene)
  • Die Vielfalt an verschiedenen Arten (organismische Ebene)
  • Die Verschiedenheit an Lebensgemeinschaften von Arten und ihre Wechselbeziehungen (ökosystemare Ebene)

Eine hohe biologische Vielfalt bildet die Grundlage für eine gesunde Umwelt und eine intakte Natur. Doch seit einigen Jahren schwindet dieser Reichtum. Man spricht vom Biodiversitätsverlust. Dabei handelt es sich nicht nur um Artensterben, sondern auch um den Rückgang innerhalb der Arten.

Biodiversitätsverlust nicht nur für Umweltschützer ein Thema

Warum ist jetzt Biodiversität für uns alle wichtig? Tja. Erstens leben wir alle auf dem gleichen Planeten und zweitens stützt es die Wirtschaft und gibt Sicherheit für die Nahrungsmittelversorgung der Menschen. Somit ist sie die Basis für das Wohlergehen. Jetzt sind wir wieder bei den drei Säulen der Nachhaltigkeit angelangt: Die Umwelt bildet die Basis für die Wirtschaft sowie die Gesellschaft. Daher geht uns Biodiversitätsverlust alle etwas an. So einfach ist das.

Ziel soll es sein, die menschliche sowie wirtschaftliche Entwicklung von der einhergehenden Umweltzerstörung loszureißen. Selbstverständlich sind auch hier die Regierungen und die Firmen in der Pflicht. Vor allem die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern ist hier gefragt. Sie machen sich darüber Sorgen, dass Umweltschutz ihre wirtschaftliche Entwicklung abschwächen könnte. ABER: Wir sind es auch in der Verantwortung. Wie immer ist es besser, wenn viele Menschen eine positiv wirkende Kleinigkeit erledigen, als wenn einer etwas perfekt macht.

Viele kleine Schritte sind besser als eine Person, die alles perfekt macht.

Ein Biodiversitätsverlust hat laut Experten Folgen auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und sicherheitspolitischer Ebene.

Wo findet man Biodiversität?

Wusstest du, dass rund zwei Millionen Tierarten weltweit bereits beschrieben wurden? Das ist eine ganze Menge. Jedoch sind sich Wissenschaftlerinnen nicht einig, wie viele es noch geben wird. Schätzungen reichen von zehn bis 100 Millionen verschiedenen Spezies. Also, die meisten Arten sind noch nicht entdeckt.

Die allermeisten Spezies auf der Welt sind noch nicht entdeckt bzw. erforscht.

Biodiversität ist jedoch auf der Erde sehr ungleichmäßig verteilt. So leben in extremen Gebieten wie Wüsten oder arktischen Tundren (z. B. die Polarregionen oder die Tundra) nur wenige Arten. Diese können unter diversen Umständen aber eine hohe Dichte an Individuen erreichen. In den Tropen und in den Subtropen findet man den höchsten Artenreichtum. Speziell in den Baumkronen tropischer Regenwälder leben zahlreiche verschiedene Tierarten. Eine nahezu ähnlich hohe Anzahl an verschiedenen Arten befindet sich in den tropischen Korallenriffen. Forscher vermuten, dass an den heißen vulkanischen Quellen der Tiefsee der Artenreichtum überraschend hoch ist. Jedoch ist dies momentan noch zu wenig erforscht.

Einzelne Tier- oder Pflanzenarten kommen geografisch nur sehr begrenzt vor, z. B. auf Inseln, in Bergregionen oder in Seen.

Biodiversitätsverlust – Ist der Reichtum an verschiedenen Arten noch zu retten?

75 % der Oberfläche des Landes und zwei Drittel der Meeresökosysteme wurden bereits durch den Menschen stark verändert. Die rote Liste gefährdeter Tierarten enthält weltweit rund 97.000 Arten, davon sind rund ein Viertel vom Aussterben bedroht. Wenn die Entwicklungen so weiter gehen, könnten in den kommenden Jahrzehnten mehr als eine Million Arten vom Aussterben bedroht sein. Die Rate ist dabei wesentlich höher, als sie in den vergangen zehn Millionen Jahren war – als immer wieder Tiere auf natürliche Art und Weise ausstarben.

Schon immer haben sich Lebewesen auf der Erde an die unterschiedlichsten Gegebenheiten angepasst – mal freiwillig, mal weil es erforderlich war. Und es gab auch schon immer Artensterben. Danach haben sich die Pflanzen und Tiere aber besser angepasst und es sind mehr Arten entstanden, als vorher ausgestorben sind.

Die Jagd bzw. die gezielte oder zum Teil unbedachte Ausrottung führte vor einigen Jahrzehnten zu einem Biodiversitätsverlust. Heutzutage verändert der Klimawandel sowie der Veränderung und die Zerstörung von Ökosystemen die Artenvielfalt.

Oftmals unterschätzt werden auch die Einführung von fremden Pflanzen und Tieren in bestehende Ökosysteme. Die eingeschleppten Arten haben in der Zielregion keine natürlichen Feinde und verbreiten sich daher rasend schnell. Dadurch verdrängen sie die heimische Flora und Fauna.

Abgesehen davon werden nach wie vor Wälder und Fischbestände übernutzt. Die Nutzung von natürlichen Ressourcen muss durch das Nachwachsen ausgeglichen werden. Da wären wir wieder beim eigentlichen Sinn der Nachhaltigkeit: Nur so viel nehmen, wie auch wieder nachwachsen kann.

Schildkröte aus einen Zaun gerettet - bewusst-unterwegs
Schildkröte aus einen Zaun gerettet

Arche Noah funktioniert nicht

Was wäre wenn, der Mensch sich ein künstliches Ökosystem schaffen würde? In dem die „wichtigsten“, also die am besten funktionierenden Arten pro Ökosystem erhalten bleiben würden? Könnte klappen, jedoch wäre dieses System vor allem eines: zerbrechlich. Gibt es weniger Spezies, reagieren die Ökosysteme anfälliger auf Störungen von außen, z. B. den Klimawandel.

Jede Art hat ihren Platz in einem Ökosystem. Nur weil wir Menschen es nicht sehen oder spüren, heißt das nicht, dass diese Tiere oder Pflanzen nicht ihre wichtige Rolle spielen. Jedes Ökosystem wird von zahllosen verschiedenen Arten bewohnt und sie beeinflussen sich gegenseitig. Jedes System strebt nach Gleichgewicht und es reguliert sich selbst. Daher sind alle Arten in einer gewissen Art und Weise wichtig – nicht nur die vermeintlichen profitabelsten.

Es geht beim Biodiversitätsverlust nicht nur um Eisbären und Tiger. Die Arten, über die wir nie sprechen und die wir nicht sehen, sind genauso wichtig für uns.

Jede noch so kleine Art hat ihren Platz in den Ökosystemen – unabhängig davon, ob wir sie sehen oder nicht.

Was bedeutet Biodiversitätsverlust für den Menschen?

Bist du bereit für Klartext? Atmen, essen, trinken. Diese grundlegenden Dinge könnten nicht mehr funktionieren. Wenn Bienen keine Pflanzen und Bäume mehr bestäuben, wenn zu wenig Kohlendioxid in Sauerstoff umgewandelt wird, wenn das Trinkwasser nicht mehr ausreichend gereinigt wird.

Mehr Naturkatastrophen wie z. B. Lawinen oder Erosion, wenn Wälder abgeholzt werden, sind eine weitere Folge von Biodiversitätsverlust.

Nachfolgend verenden zahlreiche Heilpflanzen, die an der Gesundheit der Menschen einen maßgeblichen Anteil haben. Verschwinden z. B. Regenwürmer, Pilze oder andere kleine Organismen in den Böden, führt dies zu festeren Böden, wo weniger Regenwasser durchkann. Pflanzen kommen dadurch weniger leicht zu Wasser und wachsen nicht mehr oder nicht mehr so schnell.

Soziale Unruhen, Ungleichheit, Kämpfe um sauberes Trinkwasser… Zu was es alles führen kann, wenn zu wenig Sauerstoff, nicht ausreichend sauberes Trinkwasser und zu wenig Lebensmittel zur Verfügung sind, muss ich nicht erklären oder?

Frühlingsenzian in vollster Blüte - bewusst-unterwegs
Gegen Biodiversitätsverlust gehören auch Pflanzen geschützt – wie hier der Frühlingsenzian

Und jetzt? Was können wir alle tun?

Wieder einmal benötigt es sowohl Regierungen als auch jeden einzelnen. Ökosysteme sollen sich möglichst stabilisieren, d. h. gefährdete Tierarten brauchen ihre Schutzräume und Rückzugsgebiete. Es setzt aber nicht unbedingt voraus, dass sich Menschen komplett aus der Natur zurückziehen müssen. Streuobstwiesen oder bestimmte Ackerflächen können die Basis für ein artenreiches Biotop bilden. Arten können wieder angesiedelt werden. Menschliche Bedürfnisse lassen sich mit der Umwelt verbinden. Wahrscheinlich ist eine der wichtigsten Fragen dabei, ob die Natur auch einmal Vorrang hat. Das wäre sogar im menschlichen Interesse. Paradox.

Die direkten oder indirekten Möglichkeiten für jede einzelne sind gegeben. So kannst auch du helfen:

  • Finanzielle Unterstützung für diverse Projekte
  • Teilnahme an Umweltschutzgruppen
  • Lebensmittel kaufen, die nicht mit beispielsweise Pestiziden behandelt wurden
  • Treibhausgase reduzieren
  • Auf bienenfreundliche Wiesen achten
  • Insektenfreundliche Gärten erstellen – im kleinen Maß geht das auch in der Stadt
  • Keine gefährdeten Tiere essen (Walfleisch, Thunfisch und so)
  • Fleisch- und Fischkonsum generell überdenken und reduzieren
  • Kein Palmöl mehr konsumieren
  • Plastik vermeiden
  • Abfall reduzieren
  • Die Tipps aus dem Artikel „Klimaschutz“

Fazit – Biodiversitätsverlust ähnlich schlimm wie Klimawandel

Es ist amtlich. Forscherinnen sind sich einig, dass der Biodiversitätsverlust fast gleich schlimme Auswirkungen auf die Menschheit hat, wie der Klimawandel. Wir können noch! etwas dagegen tun. Jeder. Jede. Immer.

Dabei geht es beim Schutz von Biodiversität nicht nur um Tiger und Eisbären. Oftmals sind es die kleinsten, nicht sichtbaren Arten, die besonders wichtig für uns sind. Welche Ideen hast du, wie wir Biodiversität unterstützen können? Verrate es mir gerne in den Kommentaren.

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